# Drahtvorschub fördert nicht: Ursachen und Lösungen

Quelle: https://schweissundnaht.de/blog/drahtvorschub-geht-nicht
Veröffentlicht: 2026-10-11
Herausgeber: Schweiß & Naht

**Kurz gesagt:** Wenn der Drahtvorschub nicht fördert, liegt es meist an der Mechanik und nicht am Motor: falsche oder zu locker gespannte Andruckrolle, eine verschmutzte oder geknickte Drahtführungsseele, eine verstopfte oder zu kleine Kontaktdüse oder eine zu fest eingestellte Drahtbremse am Spulendorn. Prüfen Sie diese Punkte in genau dieser Reihenfolge, bevor Sie an einen Defekt der Elektronik denken.

Diese Seite richtet sich an alle, die mit einem MIG/MAG- oder Fülldrahtgerät arbeiten und plötzlich keinen Draht mehr aus dem Brenner bekommen, oder bei denen der Draht stockt, sich am Vorschub zu einem Knäuel aufwickelt oder an der Kontaktdüse festbrennt. Sie finden eine Prüfreihenfolge vom Spulendorn bis zur Brennerspitze, typische Fehlerbilder mit ihren Ursachen und Hinweise, wann eine Fachwerkstatt oder der Hersteller-Service gefragt ist. Die Einstellwerte unterscheiden sich je nach Gerät, deshalb verweisen wir an den passenden Stellen auf die Bedienungsanleitung.

## Erst die Sicherheit: Gerät aus, Stecker raus

Bevor Sie die Seitenklappe öffnen, die Andruckrolle lösen oder den Brenner zerlegen, schalten Sie das Gerät aus und ziehen den Netzstecker. Bei vielen Geräten liegt am Draht Schweißspannung an, sobald der Brennertaster gedrückt wird, und auch der Vorschubmotor kann Finger zwischen Rolle und Draht einklemmen. Lassen Sie den Brenner nach dem Schweißen abkühlen, denn Kontaktdüse und Gasdüse werden sehr heiß.

Halten Sie den Brenner beim Probelauf nie auf Gesicht, Hand oder andere Personen gerichtet. Der Drahtanfang ist spitz und kann mit Kraft austreten, wenn sich ein Stau plötzlich löst.

Hinweis: Arbeiten im Inneren des Geräts, an Leiterplatten oder am Netzanschluss gehören in die Hände einer Elektrofachkraft. Ein 400-V-Anschluss wird ausschließlich von einem Elektriker installiert.

## Die häufigsten Ursachen auf einen Blick

Der Draht läuft auf seinem Weg von der Spule bis zur Brennerspitze durch mehrere Stellen, an denen er bremsen, rutschen oder hängen bleiben kann. Die folgende Tabelle ordnet typische Fehlerbilder den wahrscheinlichsten Ursachen zu.

| Fehlerbild | Wahrscheinliche Ursache | Erste Maßnahme |
| --- | --- | --- |
| Rolle dreht, Draht steht | Anpressdruck zu gering, falsche Rillengröße | Andruck erhöhen, Rolle prüfen |
| Draht wickelt sich am Vorschub auf (Vogelnest) | Widerstand im Brenner, Andruck zu hoch | Seele und Kontaktdüse prüfen |
| Draht ruckelt, Lichtbogen stottert | Verschmutzte Seele, Drahtbremse zu fest | Seele ausblasen, Bremse lockern |
| Draht brennt an der Kontaktdüse fest | Düse verschlissen oder zu klein, Abstand zu kurz | Kontaktdüse tauschen |
| Motor dreht gar nicht | Taster, Steuerleitung, Thermoschutz, Sicherung | Anleitung, Service |

Fehlerbild und wahrscheinliche Ursache

## Andruckrolle und Anpressdruck prüfen

Die Vorschubrolle muss zum Draht passen. Auf den meisten Rollen sind zwei Rillen für zwei Durchmesser eingeprägt, zum Beispiel 0,6 und 0,8 mm. Liegt der Draht in der falschen Rille, rutscht er durch oder wird gequetscht. Für Massivdraht aus Stahl werden üblicherweise V-Nut-Rollen verwendet, für weichen Aluminiumdraht U-Nut-Rollen und für Fülldraht gerändelte Rollen, die den Draht besser greifen, ohne ihn zu zerdrücken.

Der Anpressdruck wird so eingestellt, dass der Draht sicher gefördert wird, aber bei einem Widerstand an der Brennerspitze noch durchrutschen kann. Eine bewährte Prüfung: Halten Sie den Brenner etwa zehn Zentimeter vor ein Stück Holz und drücken Sie kurz den Taster bei abgeschaltetem Gas oder ohne Werkstückkontakt laut Anleitung. Der Draht sollte sich leicht biegen und die Rolle dann rutschen. Bei zu hohem Druck verformt sich der Draht oval und klemmt anschließend in der Seele.

1. Gerät ausschalten und Netzstecker ziehen.
2. Andruckhebel lösen und die eingelegte Rille an der Rolle ablesen.
3. Rille mit dem Drahtdurchmesser auf der Spule vergleichen, Rolle bei Bedarf wenden oder tauschen.
4. Rolle und Führungsröhrchen von Abrieb und Drahtspänen befreien.
5. Draht gerade einlegen, Andruck schließen und die Spannung nach Herstellerangabe einstellen.

## Drahtführungsseele: der unterschätzte Engpass

Die Seele ist der Schlauch im Brennerpaket, durch den der Draht läuft. Mit der Zeit sammelt sich darin Abrieb, Staub und Schmutz von der Drahtoberfläche. Die Reibung steigt, bis der Vorschub den Draht nicht mehr gleichmäßig schieben kann. Ein typisches Zeichen ist ein Draht, der sich mit der Hand nur schwer durch das abgezogene Schlauchpaket ziehen lässt.

Für Stahldraht ist häufig eine Stahlspiralseele verbaut, für Aluminium eine Kunststoffseele, zum Beispiel aus PTFE, weil der weiche Draht sonst gestaucht wird. Wer auf Aluminium umstellt, sollte die passende Seele und Rolle verwenden. Eine verschmutzte Stahlseele lässt sich mit Druckluft ausblasen, bei Knicken oder starkem Verschleiß wird sie ersetzt. Achten Sie dabei auf die richtige Länge, da eine zu kurze Seele eine Lücke vor der Kontaktdüse lässt, in der sich der Draht verhaken kann.

Auch das Schlauchpaket selbst spielt eine Rolle. Liegt es in engen Schlaufen oder stark geknickt, steigt der Widerstand deutlich. Legen Sie den Brenner beim Schweißen möglichst gestreckt aus.

## Kontaktdüse und Gasdüse

Die Kontaktdüse überträgt den Schweißstrom auf den Draht. Ihre Bohrung muss zum Drahtdurchmesser passen: Eine 0,8-mm-Düse für 0,8-mm-Draht, bei Aluminium wird oft eine etwas größere Bohrung empfohlen, weil sich der Draht beim Erwärmen ausdehnt. Mit der Zeit weitet sich die Bohrung oval aus, oder Spritzer setzen die Öffnung zu. Dann klemmt der Draht oder brennt an der Düse fest.

Ein festgebrannter Draht lässt sich manchmal mit einer Zange lösen, in der Regel ist eine neue Kontaktdüse aber die schnellere und sicherere Lösung. Kontaktdüsen sind Verschleißteile, eine Reserve gehört in jede Werkstatt. Entfernen Sie zugleich die Spritzer aus der Gasdüse, damit das Schutzgas wieder sauber austreten kann. Ein zu kurzer Abstand zwischen Brenner und Werkstück fördert das Festbrennen ebenfalls.

## Drahtbremse, Spule und Drahtqualität

Am Spulendorn sitzt eine einstellbare Bremse. Sie verhindert, dass die Spule nach dem Loslassen des Tasters nachläuft und sich der Draht abwickelt. Ist sie zu fest angezogen, muss der Vorschub die Spule gegen den Widerstand drehen und rutscht durch. Ist sie zu locker, springen Windungen von der Spule. Stellen Sie die Bremse so ein, dass die Spule nach dem Stoppen sofort stehen bleibt, sich aber von Hand leicht drehen lässt.

Auch der Draht selbst kann die Ursache sein. Rostiger, verbogener oder schlecht gewickelter Draht läuft schwer. Lagern Sie Spulen trocken und abgedeckt. Kürzen Sie den Drahtanfang vor dem Einfädeln mit einem sauberen Schnitt und entgraten Sie ihn, damit er die Seele nicht beschädigt.

## Wenn der Motor gar nicht anläuft

Dreht sich die Vorschubrolle beim Drücken des Tasters überhaupt nicht, ist das Problem elektrischer Natur. Häufig ist der Überhitzungsschutz ausgelöst, dann zeigt das Gerät meist eine Kontrollleuchte, und nach einer Abkühlpause läuft es wieder. Lesen Sie dazu auch, was die [Einschaltdauer](https://schweissundnaht.de/blog/einschaltdauer-erklaert) bedeutet. Weitere Ursachen sind ein defekter Brennertaster, eine beschädigte Steuerleitung im Schlauchpaket, ein nicht richtig eingerasteter Euro-Zentralanschluss oder eine falsche Einstellung im Menü, etwa ein aktiver E-Hand-Modus.

Prüfen Sie zuerst den festen Sitz des Brenneranschlusses und den gewählten Modus. Alles, was darüber hinausgeht, also Motor, Platine oder Netzteil, ist ein Fall für den Service. Öffnen Sie das Gehäuse nicht selbst, da im Inneren auch nach dem Ausschalten noch Spannung an Kondensatoren anliegen kann.

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## Häufige Fragen

**Warum bildet sich am Drahtvorschub ein Drahtknäuel?** Das sogenannte Vogelnest entsteht, wenn der Draht vorne im Brenner blockiert, die Rolle aber weiter schiebt. Ursache ist meist eine verstopfte Kontaktdüse oder eine verschmutzte Seele. Ein etwas geringerer Anpressdruck sorgt dafür, dass die Rolle in solchen Fällen rutscht, statt den Draht aufzustauchen.

**Kann ich Aluminiumdraht mit der Ausstattung für Stahl schweißen?** Meist nicht zuverlässig. Für Aluminium werden U-Nut-Rollen und eine Kunststoffseele empfohlen, bei langen Schlauchpaketen oft auch eine Spulenpistole. Welche Teile passen, steht in der Anleitung des Herstellers. Mehr zum Verfahren finden Sie im Beitrag [Aluminium schweißen](https://schweissundnaht.de/blog/aluminium-schweissen).

**Wie oft sollte ich die Kontaktdüse wechseln?** Das hängt von Strom, Draht und Einsatzdauer ab. Ein guter Anhaltspunkt ist das Fehlerbild: Wird der Lichtbogen unruhig oder brennt der Draht wiederholt fest, ist ein Tausch fällig.

**Lohnt sich eine Reparatur des Vorschubmotors?** Bei hochwertigen Geräten oft ja, bei sehr günstigen Geräten kann eine Neuanschaffung sinnvoller sein. Lassen Sie sich vom Hersteller-Service einen Kostenvoranschlag geben, bevor Sie entscheiden.

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