Ratgeber
Einschaltdauer bei Schweißgeräten erklärt
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Kurz gesagt
Die Einschaltdauer (ED) gibt an, wie viele Minuten eines 10-Minuten-Zyklus ein Schweißgerät mit einem bestimmten Strom schweißen kann, ohne zu überhitzen. 60 % ED bei 200 A bedeutet: sechs Minuten Schweißen mit 200 A, danach vier Minuten Pause. Die Norm EN 60974-1 legt dafür eine Umgebungstemperatur von 40 °C zugrunde. Bei kleinerem Strom steigt die Einschaltdauer.
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In fast jedem Datenblatt eines Schweißgeräts steht eine Angabe wie 60 % bei 200 A oder 100 % bei 155 A. Diese Werte sagen viel darüber aus, wie belastbar ein Gerät ist, werden aber oft missverstanden oder unterschiedlich angegeben. Diese Seite erklärt, was die Einschaltdauer nach EN 60974-1 bedeutet, wie Sie die Werte lesen, wie viel Sie davon als Heimwerker wirklich brauchen und worauf Sie beim Vergleich mehrerer Geräte achten sollten.
Der 10-Minuten-Zyklus nach EN 60974-1
Die Norm EN 60974-1 für Lichtbogenschweißeinrichtungen definiert die Einschaltdauer bezogen auf einen Zyklus von zehn Minuten. Ein Wert von 60 % heißt, dass das Gerät sechs Minuten lang mit dem angegebenen Strom schweißen kann und dann vier Minuten abkühlen muss. Bei 100 % kann es dauerhaft mit diesem Strom arbeiten. Die Prüfung erfolgt bei einer Umgebungstemperatur von 40 °C, also unter eher warmen Bedingungen.
Wird die Einschaltdauer überschritten, löst bei üblichen Geräten ein Thermoschutz aus. Das Gerät unterbricht den Schweißstrom, meist leuchtet eine Warnanzeige, und der Lüfter läuft weiter, bis die Temperatur wieder gesunken ist. Das schützt die Elektronik, unterbricht aber die Arbeit.
60 % ED
6 Minuten Schweißzeit, 4 Minuten Pause
100 % ED
10 Minuten Schweißzeit, keine Pause
| Angabe | Schweißzeit | Pause |
|---|---|---|
| 20 % ED | 2 Minuten | 8 Minuten |
| 35 % ED | 3,5 Minuten | 6,5 Minuten |
| 60 % ED | 6 Minuten | 4 Minuten |
| 100 % ED | 10 Minuten | keine |
Weniger Strom, mehr Einschaltdauer
Die Einschaltdauer gilt immer für einen bestimmten Strom. Je niedriger der Schweißstrom, desto weniger Wärme entsteht im Gerät und desto höher die Einschaltdauer. Deshalb nennen viele Hersteller mehrere Werte, etwa 25 % beim Maximalstrom, 60 % bei einem mittleren Strom und 100 % bei einem niedrigeren Strom.
Wenn nur ein Wert angegeben ist, lässt sich ein weiterer grob abschätzen. Eine verbreitete Näherung geht davon aus, dass die Erwärmung mit dem Quadrat des Stroms wächst. Daraus folgt: Strom bei 100 % ist ungefähr der Strom bei x % mal der Wurzel aus x geteilt durch 100. Aus 200 A bei 60 % ergeben sich so rund 155 A bei 100 %. Das ist nur eine Abschätzung, die Werte des Herstellers sind maßgeblich.
Wie viel Einschaltdauer brauchen Sie?
Beim Heimwerken schweißen Sie selten minutenlang am Stück. Zwischen den Nähten wechseln Sie Elektroden, richten Teile aus, schleifen oder heften. Eine reale Lichtbogenzeit von wenigen Minuten pro zehn Minuten ist daher typisch. Wichtig ist vor allem, dass das Gerät bei dem Strom, den Sie wirklich nutzen, genug Reserve hat.
Für Karosseriebleche und dünne Profile reichen meist niedrige Ströme, und da haben auch kleine Geräte hohe Einschaltdauern. Wer dagegen lange Nähte an dickem Stahl zieht oder mit Elektroden über 3,2 mm arbeitet, profitiert von einer hohen Einschaltdauer im oberen Strombereich. Hier spielen auch Netzanschluss und Absicherung eine Rolle: Leistungsstarke Geräte benötigen oft einen 400-V-Anschluss, den nur ein Elektriker installieren darf.
- Gelegentliche Reparaturen, dünnes Blech: niedrige ED beim Maximalstrom ist meist kein Problem.
- Regelmäßige Arbeiten an Stahl bis etwa 6 mm: auf ED im mittleren Strombereich achten.
- Lange Nähte, dicke Bleche, gewerbliche Nutzung: hohe ED bei hohem Strom wichtig.
Geräte fair vergleichen
ED-Werte sind nur dann vergleichbar, wenn sie beim gleichen Strom und unter den gleichen Bedingungen angegeben sind. Ein Gerät mit 60 % bei 200 A ist belastbarer als eines mit 60 % bei 160 A, auch wenn die Prozentzahl gleich ist. Vergleichen Sie deshalb immer Paare aus Prozent und Ampere.
Achten Sie außerdem darauf, ob sich die Angabe ausdrücklich auf EN 60974-1 oder IEC 60974-1 bei 40 °C bezieht. Manche Datenblätter nennen Werte bei niedrigerer Umgebungstemperatur, die dann höher ausfallen. Fehlt die Bezugstemperatur, ist ein direkter Vergleich schwierig. Wenn Sie zwischen Inverter- und Trafogeräten schwanken, lesen Sie auch Inverter oder Trafo-Schweißgerät.
| Prüfpunkt | Warum wichtig |
|---|---|
| Strom zur Prozentangabe | Prozent ohne Ampere sagt nichts |
| Bezugsnorm EN/IEC 60974-1 | Einheitlicher 10-Minuten-Zyklus |
| Umgebungstemperatur 40 °C | Niedrigere Temperatur ergibt höhere Werte |
| Verfahren (MIG, WIG, E-Hand) | Werte unterscheiden sich je Verfahren |
| Netzspannung | An 230 V oft geringere Leistung als an 400 V |
Wenn der Überhitzungsschutz auslöst
Schaltet das Gerät mitten in der Naht ab, lassen Sie es eingeschaltet, damit der Lüfter weiter kühlt. Ausschalten verlängert die Abkühlzeit meist. Nach dem Erlöschen der Warnanzeige können Sie weiterarbeiten. Löst der Schutz häufig aus, schweißen Sie entweder mit einem höheren Strom, als das Gerät dauerhaft verträgt, oder die Kühlung ist eingeschränkt.
Stellen Sie das Gerät so auf, dass Lufteinlass und Auslass frei sind, und halten Sie Schleifstaub fern, denn er setzt die Kühlrippen zu. Wer häufig an die Grenze kommt, braucht ein stärker dimensioniertes Gerät. Lassen Sie den Innenraum bei Bedarf von einer Fachwerkstatt reinigen, statt das Gehäuse selbst zu öffnen.
Hinweis:Öffnen Sie Schweißgeräte nicht selbst. Im Inneren können auch nach dem Ausschalten gefährliche Spannungen anliegen. Reparaturen und Prüfungen gehören zu einer Elektrofachkraft oder zum Hersteller-Service.
Häufige Fragen
Was bedeutet 100 % ED? Das Gerät kann bei dem angegebenen Strom ohne Pause dauerhaft schweißen, bezogen auf die Prüfbedingungen der Norm.
Ist eine höhere ED immer besser? Bei gleichem Strom ja, denn das Gerät ist dann thermisch belastbarer. Für gelegentliche kurze Nähte ist eine hohe ED aber weniger entscheidend als passende Leistung und gute Einstellbarkeit.
Warum hat mein Gerät bei E-Hand eine andere ED als bei MIG? Die Verfahren arbeiten mit unterschiedlichen Spannungen und Strömen, deshalb nennen Hersteller oft getrennte Werte pro Verfahren.
Gilt die ED auch für den Plasmaschneider? Ja, auch Plasmaschneider nach EN 60974-1 haben eine Einschaltdauer bezogen auf den Schneidstrom. Mehr dazu im Ratgeber zu Plasmaschneidern.
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