Anleitung
WIG-Schweißgerät richtig einstellen
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Kurz gesagt
Wählen Sie zuerst Stromart und Elektrode: DC für Stahl und Edelstahl, AC für Aluminium. Den Schweißstrom stellen Sie nach Blechdicke ein, als grobe Faustregel für Stahl etwa 30 bis 40 A je Millimeter. Dann Gasvorströmung kurz, Nachströmung etwa eine Sekunde je 10 A, Downslope ein bis drei Sekunden. Feinabstimmung erfolgt an einem Probestück, maßgeblich sind die Angaben des Herstellers.
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Moderne WIG-Geräte bieten viele Parameter: Startstrom, Anstieg, Hauptstrom, Absenkung, Endstrom, Gasvor- und Nachlauf, Puls und bei AC/DC-Geräten Balance und Frequenz. Diese Anleitung erklärt, welche Werte wirklich wichtig sind, in welcher Reihenfolge Sie einstellen und welche Startwerte sich für Stahl, Edelstahl und Aluminium bewährt haben. Sie richtet sich an Einsteiger und an Umsteiger vom MIG/MAG-Schweißen.
Grundeinstellungen: Stromart, Zündung und Elektrode
Für Baustahl, Edelstahl, Kupfer und Messing schweißen Sie mit Gleichstrom, die Elektrode liegt am Minuspol. Für Aluminium brauchen Sie Wechselstrom und damit ein AC/DC-Gerät. Was der Unterschied bewirkt, erklärt WIG DC oder AC/DC.
Die Zündung erfolgt bei vielen Geräten berührungslos per HF, bei einfacheren als Lift-Arc durch kurzes Aufsetzen und Abheben. Die Wolframelektrode wählen Sie nach Strombereich, üblich sind 1,6 mm für kleine und 2,4 mm für mittlere Ströme. Die Spitze wird in Längsrichtung angeschliffen. Welche Farbe welche Legierung bedeutet, steht unter Wolframelektroden: Farben und Typen.
- 1Wolframelektrode: schmilzt nicht ab
- 2Gasdüse: aus Keramik, führt das Argon
- 3Spannhülse: hält die Elektrode
- 4Zusatzstab: wird von Hand zugeführt
- 5Lichtbogen: brennt zwischen Elektrode und Werkstück
- 6Schmelzbad: wird zur Naht
Die Stromkurve: vom Start bis zum Kraterende
Viele Geräte zeigen den Ablauf als Kurve. Jede Phase hat eine Aufgabe. Die Gasvorströmung füllt Schlauch und Düse mit Argon, bevor der Lichtbogen zündet. Der Startstrom und der Anstieg (Upslope) sorgen für einen sanften Beginn. Der Hauptstrom ist der eigentliche Schweißstrom.
Die Absenkung (Downslope) reduziert den Strom am Nahtende langsam und verhindert Endkrater und Risse. Die Gasnachströmung schützt die heiße Elektrode und das erstarrende Nahtende vor Oxidation. Ist sie zu kurz, verfärbt sich die Elektrode, und das Nahtende wird porös.
| Parameter | Typischer Startwert | Hinweis |
|---|---|---|
| Gasvorströmung | 0,2 bis 0,5 s | bei langen Schlauchpaketen etwas mehr |
| Upslope | 0 bis 1 s | bei dünnem Blech sanfter Start |
| Downslope | 1 bis 3 s | verhindert Endkrater |
| Gasnachströmung | etwa 1 s je 10 A | Elektrode soll blank bleiben |
| Gasmenge Argon | etwa 6 bis 10 l/min | abhängig von Düsengröße und Zugluft |
Strom nach Material und Blechdicke
Die folgende Tabelle enthält verbreitete Startwerte für Stumpf- und Kehlnähte in Wannenlage. Es sind nur Richtwerte. Maßgeblich sind die Einstellempfehlungen des Geräteherstellers. Aluminium braucht wegen der hohen Wärmeleitung meist etwas mehr Strom als Stahl gleicher Dicke, Edelstahl oft etwas weniger.
| Blechdicke | Stahl / Edelstahl (DC) | Aluminium (AC) | Wolfram-Ø | Zusatzstab-Ø |
|---|---|---|---|---|
| 1 mm | 30 bis 50 A | 40 bis 60 A | 1,0 bis 1,6 mm | 1,0 mm |
| 2 mm | 60 bis 90 A | 70 bis 100 A | 1,6 mm | 1,6 mm |
| 3 mm | 90 bis 130 A | 110 bis 150 A | 1,6 bis 2,4 mm | 2,0 bis 2,4 mm |
| 4 mm | 120 bis 160 A | 140 bis 180 A | 2,4 mm | 2,4 mm |
Hinweis:Richtwerte ersetzen nicht die Tabelle des Herstellers und eine Probenaht. Der WIG-Lichtbogen strahlt stark im UV-Bereich: Tragen Sie Helm mit passender Schutzstufe, Handschuhe und bedeckte Haut, auch bei niedrigem Strom. Eine Orientierung nach EN 169 bietet die Schutzstufen-Tabelle. Beim Anschleifen der Elektroden Staub absaugen.
Puls und AC-Parameter
Die Pulsfunktion wechselt zwischen Pulsstrom und Grundstrom. Sie reduziert die Wärmeeinbringung und hilft bei dünnem Blech und Edelstahl gegen Verzug und Anlauffarben. Einstellbar sind meist Pulsfrequenz, Grundstrom in Prozent des Pulsstroms und das Puls-Pausen-Verhältnis. Für den Anfang genügt eine niedrige Frequenz, die Sie als gleichmäßiges Flackern sehen und mit der Stabzugabe synchronisieren können.
Bei AC kommen Balance und Frequenz dazu. Die Balance verschiebt den Anteil von Reinigung und Einbrand. Mehr Reinigung macht einen breiteren, hellen Rand neben der Naht, belastet aber die Elektrode. Eine höhere Frequenz bündelt den Lichtbogen, eine niedrigere macht ihn breiter. Mehr zu Aluminium steht unter Aluminium schweißen.
- Puls niedrig (etwa 1 bis 2 Hz): Rhythmus für die Stabzugabe
- Puls hoch: ruhiger, gebündelter Lichtbogen bei dünnem Blech
- Balance: mehr Reinigung bei stark oxidiertem Aluminium
- Frequenz: höher für schmale Kehlnähte, niedriger für breitere Nähte
Schritt für Schritt zur ersten Naht
Mit dieser Reihenfolge kommen Sie strukturiert zu einer brauchbaren Einstellung. Ändern Sie danach immer nur einen Parameter und vergleichen Sie das Ergebnis.
- 1
Werkstück und Zusatzstab gründlich reinigen, Edelstahl und Aluminium mit eigener Bürste
- 2
Stromart wählen: DC für Stahl und Edelstahl, AC für Aluminium
- 3
Elektrode anschleifen und etwa 3 bis 5 mm aus der Gasdüse herausstehen lassen
- 4
Gasmenge einstellen und Gasvor- und Nachströmung setzen
- 5
Hauptstrom nach Tabelle wählen, Downslope einstellen
- 6
Probenaht ziehen, Elektrodenabstand etwa so groß wie der Elektrodendurchmesser halten
- 7
Elektrodenspitze nach der Naht prüfen: blank und silbrig ist gut, blau oder grau deutet auf zu wenig Nachströmung
Typische Fehler und ihre Ursachen
Viele Probleme beim WIG-Schweißen haben einfache Ursachen. Eine verunreinigte Elektrode nach Berührung des Schmelzbads macht den Lichtbogen unruhig, sie muss neu angeschliffen werden. Graue oder schwarze Nähte an Edelstahl deuten auf zu viel Wärme oder fehlenden Gasschutz hin. Poren entstehen oft durch Zugluft, Schmutz oder Undichtigkeiten am Brenner. Weitere Ursachen erklärt Poren in der Schweißnaht.
Wer ein Gerät mit umfangreicher Kurvensteuerung und Speicherplätzen sucht, findet Modelle im Ratgeber Die besten WIG-Schweißgeräte. Für Aluminium vergleicht WIG-Schweißgeräte AC/DC für Aluminium die Modelle.
Häufige Fragen
Wie viel Ampere brauche ich für 2 mm Edelstahl? Als Richtwert etwa 60 bis 90 A mit Gleichstrom. Beginnen Sie im unteren Bereich und erhöhen Sie, bis das Schmelzbad zügig fließt.
Wie lang sollte die Gasnachströmung sein? Eine verbreitete Faustregel lautet eine Sekunde pro 10 A Schweißstrom. Bei 100 A also etwa 10 Sekunden. Die Elektrode sollte danach blank sein.
Welche Elektrode für AC und DC? Viele nutzen lanthanierte oder cerierte Elektroden für beide Stromarten. Reine Wolframelektroden sind traditionell für AC üblich. Details unter Wolframelektroden.
Brauche ich ein Fußpedal? Nicht zwingend, aber es erleichtert die Stromregelung während der Naht, besonders bei wechselnder Blechdicke und am Nahtende.
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