Zum Inhalt springen

Vergleich

Autogen- oder Elektroschweißen: Gasflamme gegen Lichtbogen

Veröffentlicht am

Hinweis: Diese Seite enthält Werbelinks (Affiliate-Links) zu Amazon. Kaufen Sie über einen solchen Link, erhalten wir eine Provision. Für Sie ändert sich der Preis nicht. Mehr dazu

Früher stand in fast jeder Schlosserei eine Autogenanlage mit zwei Flaschen. Heute dominieren Lichtbogenverfahren wie MIG/MAG, WIG und E-Hand. Trotzdem hat das Gasschweißen seine Nischen behalten. Dieser Vergleich erklärt, wie Autogen- und Elektroschweißen arbeiten, wo die Stärken und Grenzen liegen, welche Sicherheitsanforderungen an Gasflaschen gelten und für wen sich eine Autogenausrüstung heute noch lohnt.

So funktioniert Autogenschweißen

Beim Gasschmelzschweißen (ISO 4063 Nr. 311) verbrennt Acetylen mit reinem Sauerstoff in einem Brenner. Die Flamme erreicht sehr hohe Temperaturen und schmilzt die Fugenkanten. Den Zusatzwerkstoff führen Sie als Stab mit der zweiten Hand zu, ähnlich wie beim WIG-Schweißen.

Die Ausrüstung besteht aus einer Acetylen- und einer Sauerstoffflasche, je einem Druckminderer, Schläuchen, Sicherheitseinrichtungen gegen Flammenrückschlag und einem Griffstück mit wechselbaren Einsätzen für Schweißen, Wärmen oder Schneiden. Die Flammeneinstellung, meist neutral, erfordert Übung.

So funktioniert Elektroschweißen

Unter Elektroschweißen fasst man umgangssprachlich die Lichtbogenverfahren zusammen: E-Hand mit Stabelektrode, MIG/MAG mit Drahtvorschub und WIG mit Wolframelektrode. Ein elektrischer Lichtbogen erzeugt die Wärme, konzentrierter als eine Flamme. Dadurch ist die Wärmeeinflusszone kleiner und das Arbeitstempo höher.

Welches Lichtbogenverfahren für Sie passt, vergleichen die Beiträge E-Hand oder MIG/MAG und MIG/MAG oder WIG. Die Kennnummern aller Verfahren stehen unter Schweißverfahren nach ISO 4063.

Ein weiterer Unterschied betrifft die Infrastruktur. Lichtbogengeräte brauchen einen ausreichend abgesicherten Stromanschluss, viele Inverter kommen mit einer 16-A-Steckdose aus. Eine Autogenanlage arbeitet netzunabhängig, dafür müssen zwei Flaschen beschafft, gelagert und regelmäßig getauscht werden. Für mobile Arbeiten ohne Stromanschluss war das früher ein wichtiges Argument, heute übernehmen das häufig Stromaggregate in Kombination mit Invertern.

Gegenüberstellung der Verfahren

Die Tabelle fasst typische Unterschiede zusammen. Sie beschreibt allgemeine Eigenschaften, keine Werte für bestimmte Geräte.

Wofür Autogen heute noch genutzt wird

Die größte Stärke der Autogenanlage ist ihre Vielseitigkeit. Mit demselben Griffstück können Sie Teile wärmen, festgerostete Schrauben lösen, Bleche richten, Hartlöten und mit einem Schneideinsatz Stahl brennschneiden. Im Installationsbereich wird die Flamme zum Löten von Kupferrohren genutzt.

Bei der Restaurierung alter Fahrzeuge schätzen manche das Gasschweißen, weil sich die Naht weich und gut nachbearbeitbar zeigt. Für dünnes Karosserieblech greifen die meisten heute aber zu MIG/MAG oder WIG mit fein dosierbarem Strom, siehe Schweißgeräte für Karosserie und Dünnblech.

  • Wärmen und Richten von Stahlteilen
  • Lösen festgerosteter Verbindungen
  • Hartlöten von Stahl, Kupfer und Messing
  • Brennschneiden von unlegiertem Stahl
  • Arbeiten ohne Stromanschluss

Sicherheit beim Umgang mit Gasflaschen

Acetylen ist hochentzündlich und kann sich unter bestimmten Bedingungen zersetzen. Sauerstoff fördert jede Verbrennung stark, Öl und Fett an Armaturen können sich entzünden. Deshalb gelten strenge Regeln: Flaschen stehend sichern, Armaturen fettfrei halten, Flammenrückschlagsicherungen verwenden und Schläuche regelmäßig prüfen.

Auch beim Lichtbogenschweißen mit Schutzgas sind Flaschen im Spiel, allerdings mit nicht brennbaren Gasen. Hier geht es vor allem um sichere Lagerung und Belüftung. Wer Autogen lernen möchte, sollte das unter Anleitung tun, zum Beispiel in einem Kurs, siehe Schweißkurs: Kosten und Dauer.

Hinweis:Gasschweißen und Brennschneiden erfordern Sachkunde. Lassen Sie sich in Flaschenhandhabung, Flammeneinstellung und Verhalten bei Flammenrückschlag einweisen. Tragen Sie eine Schutzbrille mit passender Schutzstufe, Handschuhe und schwer entflammbare Kleidung, halten Sie einen Feuerlöscher bereit und entfernen Sie Brennbares aus der Umgebung. Bei Lichtbogenverfahren gelten Helm, Absaugung und elektrische Sicherheit.

Für wen sich welches Verfahren lohnt

Für Heimwerker, die Gestelle bauen, Zäune reparieren oder Karosserieteile einschweißen, ist ein Lichtbogengerät die klare Empfehlung. Es ist schneller, braucht weniger Flaschen und ist leichter zu lernen. Für den Einstieg eignet sich häufig ein MIG/MAG- oder Kombigerät, siehe Schweißgeräte für Heimwerker und Einsteiger.

Eine Autogenanlage ergänzt eine gut ausgestattete Werkstatt, wenn Sie oft wärmen, löten oder schneiden. Wer vor allem Bleche trennen will, kann auch einen Plasmaschneider in Betracht ziehen, der an Strom und Druckluft arbeitet. Eine Auswahl bietet Plasmaschneider für die Werkstatt.

Geräte für Einsteiger ansehen →

Häufige Fragen

Ist Autogenschweißen schwerer zu lernen? Meist ja. Sie müssen Flamme, Abstand, Stabzufuhr und Wärme gleichzeitig steuern. Lichtbogenverfahren, vor allem MIG/MAG, sind für Einsteiger zugänglicher.

Kann ich mit Autogen Aluminium schweißen? Technisch ist es mit Flussmittel möglich, aber anspruchsvoll. Heute nutzt man dafür meist WIG mit Wechselstrom, siehe Aluminium schweißen.

Darf ich Acetylen- und Sauerstoffflaschen in der Garage lagern? Für die Lagerung von Gasflaschen gibt es Vorschriften, etwa zu Mengen, Belüftung und Abstand. Informieren Sie sich beim Gaslieferanten und halten Sie dessen Hinweise ein.

Ersetzt ein Plasmaschneider das Brennschneiden? Für dünne bis mittlere Bleche aus Stahl, Edelstahl und Aluminium oft ja. Bei sehr dicken Stahlteilen hat das Brennschneiden weiterhin Vorteile.

Was Sie dafür brauchen