Ratgeber
Schweißverfahren nach ISO 4063: welche Schweißgeräte es gibt
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Kurz gesagt
Die Norm EN ISO 4063 gibt jedem Schweißverfahren eine Kennzahl. Für Heimwerker und Werkstätten sind vor allem 111 (Lichtbogenhandschweißen mit Stabelektrode), 114 (Fülldraht ohne Schutzgas), 131 (MIG), 135 (MAG mit Massivdraht), 136 (MAG mit Fülldraht) und 141 (WIG) wichtig. Für 111 brauchen Sie ein Elektrodengerät, für 114, 131, 135 und 136 ein Gerät mit Drahtvorschub und für 141 ein WIG-Gerät.
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Wer ein Schweißgerät sucht, stößt schnell auf Begriffe wie E-Hand, MIG/MAG, WIG oder Fülldraht und auf Zahlen wie 135 oder 141 in Datenblättern. Diese Seite ordnet die gängigen Lichtbogenverfahren nach ihrer Kennzahl in EN ISO 4063, erklärt in wenigen Sätzen, wie sie funktionieren, und zeigt, welche Geräteart dazu gehört. So können Sie Datenblätter besser lesen und einschätzen, welches Verfahren zu Ihren Arbeiten passt.
Was ISO 4063 regelt
EN ISO 4063 ist eine internationale Norm, die Schweißverfahren und verwandte Prozesse mit Ordnungsnummern bezeichnet. Die erste Ziffer steht für eine Hauptgruppe, zum Beispiel 1 für Lichtbogenschweißen, 2 für Widerstandsschweißen und 3 für Gasschmelzschweißen. Die weiteren Ziffern unterscheiden die einzelnen Verfahren. Diese Nummern stehen in Schweißanweisungen, Prüfbescheinigungen nach EN ISO 9606 und auf vielen Geräten.
Für die Auswahl eines Schweißgeräts genügen die wichtigsten Lichtbogenverfahren. Die folgende Abbildung und Tabelle zeigen sie auf einen Blick.
111
E-Hand
Stabelektrode
ohne Gasflasche
135
MAG
Massivdraht, Aktivgas
mit Schutzgas
131
MIG
Massivdraht, Inertgas
mit Schutzgas
141
WIG
Wolframelektrode, Argon
mit Schutzgas
114
Fülldraht
selbstschützend
ohne Gasflasche
Die wichtigsten Verfahren in einer Tabelle
Daneben gibt es weitere Verfahren, die in Werkstätten vorkommen, etwa das Plasmaschneiden, das Gasschmelzschweißen mit Sauerstoff und Acetylen (311) oder das Widerstandspunktschweißen (21), das in der Karosseriereparatur genutzt wird.
| Nummer | Verfahren | Gas | Passendes Gerät |
|---|---|---|---|
| 111 | Lichtbogenhandschweißen (E-Hand) mit umhüllter Stabelektrode | Nein | Elektroden-Schweißgerät |
| 114 | Metall-Lichtbogenschweißen mit Fülldrahtelektrode ohne Schutzgas | Nein | Fülldraht- oder MIG/MAG-Gerät |
| 131 | Metall-Inertgasschweißen (MIG) mit Massivdraht | Ja, inert (z. B. Argon) | MIG/MAG-Gerät |
| 135 | Metall-Aktivgasschweißen (MAG) mit Massivdraht | Ja, aktiv (z. B. Mischgas, CO2) | MIG/MAG-Gerät |
| 136 | MAG-Schweißen mit Fülldrahtelektrode | Ja, aktiv | MIG/MAG-Gerät |
| 141 | Wolfram-Inertgasschweißen (WIG) mit Massivdraht- oder Stabzusatz | Ja, inert (Argon) | WIG-Schweißgerät |
111: E-Hand mit Stabelektrode
Beim Lichtbogenhandschweißen brennt der Lichtbogen zwischen einer umhüllten Stabelektrode und dem Werkstück. Die Umhüllung erzeugt beim Abbrennen ein Schutzgas und eine Schlacke, die das Schmelzbad schützen. Eine Gasflasche ist nicht nötig. Das Verfahren ist robust, funktioniert auch im Freien bei Wind und eignet sich für Reparaturen, Stahlbau und dickere Bleche. Für sehr dünnes Blech ist es weniger geeignet.
Die passenden Geräte sind kompakte Inverter, oft mit Lift-Arc-Funktion für einfaches WIG-Schweißen. Welche Elektrode für welche Aufgabe passt, erklärt der Beitrag Elektrodenarten.
114, 131, 135 und 136: Schweißen mit Drahtvorschub
Bei diesen Verfahren wird die Elektrode als Draht von einer Spule durch das Schlauchpaket zum Brenner gefördert. Bei 131 (MIG) schützt ein inertes Gas wie Argon das Schmelzbad, typisch für Aluminium. Bei 135 (MAG) kommt ein aktives Gas zum Einsatz, meist ein Gemisch aus Argon und CO2 oder reines CO2, typisch für unlegierten Stahl. Bei 136 wird ein Fülldraht mit zusätzlichem Schutzgas verschweißt.
Verfahren 114 nutzt einen selbstschützenden Fülldraht, dessen Füllung das Schmelzbad ohne Gasflasche schützt. Viele Einsteigergeräte beherrschen 114 und, mit nachgerüsteter Gasflasche, auch 135. Das Schweißen mit Drahtvorschub ist schnell und gut zu lernen. Details finden Sie unter Wie MIG/MAG-Schweißen funktioniert und im Vergleich Fülldraht oder Schutzgas.
141: WIG mit Wolframelektrode
Beim WIG-Schweißen brennt der Lichtbogen zwischen einer nicht abschmelzenden Wolframelektrode und dem Werkstück, geschützt durch Argon. Der Zusatzwerkstoff wird bei Bedarf als Stab von Hand zugeführt. Das Verfahren ist langsamer und verlangt mehr Übung, liefert aber sehr saubere, spritzerfreie Nähte. Es eignet sich für Edelstahl, dünne Bleche und mit Wechselstrom (AC) auch für Aluminium.
Für Stahl und Edelstahl reicht ein DC-Gerät, für Aluminium brauchen Sie ein AC/DC-Gerät. Mehr dazu im Beitrag Wie WIG-Schweißen funktioniert.
Welches Verfahren passt zu Ihnen?
Kombigeräte vereinen mehrere Verfahren in einem Gehäuse, oft MIG/MAG, E-Hand und Lift-WIG. Sie sind praktisch, wenn Sie verschiedene Arbeiten erledigen und Platz sparen wollen. Einen Überblick gibt der Ratgeber zu Kombi-Schweißgeräten.
- Reparaturen im Freien, dicke Stahlteile, wenig Platz in der Werkstatt: E-Hand (111).
- Zaun, Gartentor, Anhänger ohne Gasflasche: Fülldraht ohne Gas (114).
- Werkstatt, Stahlbau, Karosserie mit sauberer Naht: MAG (135).
- Aluminium mit Drahtvorschub: MIG (131), meist mit Spulenpistole oder Impuls.
- Edelstahl, Sichtnähte, dünnes Blech, Aluminium mit AC: WIG (141).
Hinweis:Alle Lichtbogenverfahren erzeugen UV- und Infrarotstrahlung, Schweißrauch, Hitze und Funkenflug. Tragen Sie Schweißhelm, Handschuhe und schwer entflammbare Kleidung, sorgen Sie für Absaugung oder gute Lüftung und entfernen Sie brennbare Materialien. Geräte mit 400-V-Anschluss werden über eine vom Elektriker installierte Steckdose betrieben.
Häufige Fragen
Was bedeutet 135 auf meinem Schweißgerät? Die Zahl steht für MAG-Schweißen mit Massivdraht und aktivem Schutzgas. Das Gerät ist also für Schutzgasschweißen von Stahl ausgelegt.
Ist Fülldrahtschweißen dasselbe wie MAG? Nicht ganz. Selbstschützender Fülldraht ohne Gas ist Verfahren 114, Fülldraht mit zusätzlichem Schutzgas ist 136. Beide laufen auf einem Gerät mit Drahtvorschub.
Welches Verfahren ist für Anfänger am leichtesten? MAG mit Schutzgas oder Fülldraht gilt als besonders schnell erlernbar. E-Hand verlangt mehr Gefühl beim Zünden und Nachführen, WIG die meiste Übung.
Brauche ich für jedes Verfahren ein eigenes Gerät? Nein, Kombigeräte decken mehrere Verfahren ab. Für anspruchsvolles WIG an Aluminium ist aber ein AC/DC-Gerät nötig, das viele Kombigeräte nicht bieten.
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