Anleitung
MIG/MAG-Schweißgerät richtig einstellen
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Kurz gesagt
Stellen Sie zuerst die Spannung passend zur Blechdicke ein, dann den Drahtvorschub, bis der Lichtbogen gleichmäßig knistert, und schließlich die Gasmenge, als Faustregel etwa das Zehnfache des Drahtdurchmessers in Litern pro Minute. Als Start dienen die Tabelle im Gerätedeckel oder das Synergie-Programm. Feinabstimmung erfolgt an einem Probestück aus demselben Material.
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Ein MIG/MAG-Gerät hat im Kern drei Stellgrößen: Schweißspannung, Drahtvorschub und Gasmenge. Wer sie zueinander passend wählt, bekommt einen ruhigen Lichtbogen, wenig Spritzer und guten Einbrand. Diese Anleitung erklärt, was jede Größe bewirkt, wie Sie vorgehen, welche Startwerte sich für Baustahl bewährt haben und wie Sie aus dem Nahtbild ablesen, was zu korrigieren ist. Sie gilt für Geräte mit manueller Einstellung und für Synergie-Geräte gleichermaßen.
Die drei Stellgrößen und was sie bewirken
Die Spannung bestimmt vor allem die Länge und Breite des Lichtbogens und damit, wie breit und flach die Naht wird. Der Drahtvorschub bestimmt, wie viel Draht pro Zeit in das Schmelzbad läuft. Da der Strom bei MIG/MAG vom Drahtvorschub abhängt, regeln Sie damit indirekt auch die Stromstärke und den Einbrand.
Die Gasmenge sorgt dafür, dass das Schmelzbad vor Luft geschützt bleibt. Zu wenig Gas führt zu Poren, zu viel Gas verwirbelt und zieht Luft an. Bei Synergie-Geräten wählen Sie Material, Drahtdurchmesser, Gas und Blechdicke, das Gerät stimmt Spannung und Vorschub aufeinander ab. Eine Korrektur nach oben oder unten bleibt trotzdem möglich. Wie der Brenner aufgebaut ist, zeigt die Grafik.
- 1Drahtelektrode: kommt von der Rolle
- 2Kontaktdüse: überträgt den Strom auf den Draht
- 3Gasdüse: bündelt das Schutzgas
- 4Schutzgas: schirmt das Schmelzbad ab
- 5Lichtbogen: zwischen Draht und Werkstück
- 6Schmelzbad: wird zur Naht
- 7Werkstück: mit der Masseklemme verbunden
Schritt für Schritt einstellen
Bevor Sie einstellen, muss das Gerät korrekt aufgebaut sein: richtige Polung, passende Rollen und Kontaktdüse, Gas angeschlossen. Das beschreibt MIG/MAG-Schweißgerät aufbauen. Dann gehen Sie so vor:
- 1
Werkstoff und Blechdicke bestimmen, Probestück aus demselben Material bereitlegen
- 2
Drahtdurchmesser passend zur Blechdicke wählen und an der Kontaktdüse prüfen
- 3
Spannung nach Tabelle im Gerätedeckel oder Synergie-Programm wählen
- 4
Drahtvorschub einstellen, bis der Lichtbogen gleichmäßig knistert
- 5
Gasmenge am Druckminderer einstellen, bei laufendem Gas durch Drücken des Tasters prüfen
- 6
Probenaht ziehen, Nahtbild und Rückseite beurteilen
- 7
In kleinen Schritten nachregeln, immer nur eine Größe auf einmal
Richtwerte für Baustahl mit Mischgas
Die folgenden Werte sind verbreitete Startwerte für Kehlnähte an Baustahl in Wannenlage mit Argon-CO2-Mischgas. Sie sind nur Richtwerte. Maßgeblich sind die Einstelltabelle des Geräteherstellers und die Angaben auf der Drahtspule. Bei Steignähten und Überkopf reduzieren Sie meist etwas.
| Blechdicke | Drahtdurchmesser | Schweißstrom etwa | Gasmenge etwa |
|---|---|---|---|
| 0,8 bis 1 mm | 0,6 bis 0,8 mm | 40 bis 70 A | 6 bis 8 l/min |
| 1,5 bis 2 mm | 0,8 mm | 70 bis 110 A | 8 bis 10 l/min |
| 3 mm | 0,8 bis 1,0 mm | 110 bis 140 A | 10 bis 12 l/min |
| 4 bis 5 mm | 1,0 mm | 140 bis 180 A | 10 bis 14 l/min |
| ab 6 mm | 1,0 mm | ab 170 A, mehrlagig | 12 bis 15 l/min |
Hinweis:Richtwerte ersetzen nicht die Einstelltabelle des Herstellers. Machen Sie immer eine Probenaht. Tragen Sie beim Einstellen und Schweißen Helm, Handschuhe und schwer entflammbare Kleidung, sorgen Sie für Absaugung oder Belüftung und halten Sie Brennbares fern.
Das Nahtbild lesen und korrigieren
Das Geräusch ist ein guter erster Hinweis: Ein gleichmäßiges, feines Knistern wie Speck in der Pfanne deutet auf eine passende Einstellung. Lautes Knallen und stoßende Drahtbewegungen zeigen zu viel Drahtvorschub für die Spannung. Ein zischender, langer Lichtbogen mit Tropfen, die auf die Düse spritzen, deutet auf zu wenig Drahtvorschub oder zu viel Spannung.
Danach schauen Sie auf die Raupe. Eine hohe, schmale Naht, die auf dem Blech liegt, braucht mehr Spannung. Eine sehr flache, breite Naht mit Einbrandkerben an den Rändern deutet auf zu viel Spannung oder zu schnelles Arbeiten. Prüfen Sie bei dünnen Blechen auch die Rückseite: Eine leichte Verfärbung zeigt guten Einbrand, Löcher zeigen zu viel Wärme.
| Beobachtung | Mögliche Ursache | Korrektur |
|---|---|---|
| Raupe hoch und schmal, wenig Einbrand | Spannung zu niedrig | Spannung erhöhen |
| Knallen, Draht stößt ans Werkstück | Drahtvorschub zu hoch | Vorschub reduzieren |
| Langer Lichtbogen, Tropfen spritzen | Vorschub zu niedrig | Vorschub erhöhen |
| Poren in der Naht | Gas fehlt, Wind, Schmutz | Gasmenge, Düse und Werkstück prüfen |
| Durchbrennen | zu viel Wärme | Werte senken, schneller arbeiten, heften |
Weitere Einstellungen: Drossel, Takt und Brennerhaltung
Viele Geräte bieten eine Induktivität oder Drossel. Eine höhere Induktivität macht den Lichtbogen weicher mit weniger Spritzern, eine niedrigere härter und konzentrierter. Der 2-Takt-Modus schweißt, solange Sie den Taster halten, der 4-Takt-Modus startet mit einem Druck und stoppt mit dem nächsten, was bei langen Nähten entlastet.
Die beste Einstellung hilft wenig ohne passende Brennerführung. Der freie Drahtüberstand sollte meist etwa 10 bis 15 mm betragen, der Brenner leicht geneigt sein. Schleppend gezogen gibt es mehr Einbrand, stechend geschoben eine flachere Naht. Zu viele Spritzer trotz guter Werte? Dann hilft Zu viele Schweißspritzer. Bei Poren lesen Sie Poren in der Schweißnaht.
- Freier Drahtüberstand etwa 10 bis 15 mm
- Brennerneigung etwa 10 bis 20 Grad aus der Senkrechten
- Masseklemme nah an der Naht auf blankem Metall
- Kontaktdüse sauber und zum Draht passend
Synergie-Geräte nutzen
Synergie-Geräte nehmen Ihnen die Abstimmung von Spannung und Vorschub ab. Sie wählen Material, Gas, Drahtdurchmesser und Blechdicke oder Stromstärke, und das Gerät stellt die übrigen Werte ein. Über eine Korrektur der Lichtbogenlänge passen Sie das Ergebnis an Ihre Arbeitsweise an. Das ist für Einsteiger ein großer Vorteil, weil sie schneller zu einer brauchbaren Grundeinstellung kommen.
Achten Sie darauf, dass die Programme zu Ihrem Gas passen. Ein Programm für Mischgas liefert mit reinem CO2 andere Ergebnisse. Synergie-Geräte mit Programmen für Stahl, Edelstahl und Aluminium vergleicht der Ratgeber Die besten MIG/MAG-Schweißgeräte. Wer viel Dünnblech schweißt, findet passende Modelle unter Schweißgeräte für Karosserie und Dünnblech.
Häufige Fragen
Wie viel Gas brauche ich beim MAG-Schweißen? Als Faustregel etwa das Zehnfache des Drahtdurchmessers in Litern pro Minute, also bei 0,8 mm Draht rund 8 bis 10 l/min. In zugigen Räumen etwas mehr, aber nicht übertreiben.
Welchen Draht nehme ich für 2 mm Blech? Häufig 0,8 mm Draht. Er deckt den Bereich von dünnem Blech bis etwa 4 mm gut ab und ist bei Heimwerkern am weitesten verbreitet.
Warum ändert sich der Strom, wenn ich den Drahtvorschub verstelle? Bei MIG/MAG-Geräten mit Konstantspannung folgt der Strom der Drahtmenge. Mehr Draht pro Zeit braucht mehr Strom zum Abschmelzen.
Muss ich für Edelstahl anders einstellen? Ja, mit passendem Gas und Draht und meist etwas weniger Wärme. Hinweise dazu finden Sie unter Edelstahl schweißen.
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