Problemlösung
Zu viele Schweißspritzer: Ursachen und Stellschrauben
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Kurz gesagt
Starke Spritzer beim MIG/MAG-Schweißen entstehen meist durch ein unpassendes Verhältnis von Spannung und Drahtgeschwindigkeit, eine falsche Polung, reines CO2 statt Mischgas, einen zu langen freien Drahtüberstand oder verschmutzte Bleche. Stimmen Sie zuerst Spannung und Draht aufeinander ab, prüfen Sie dann Polung, Gas, Stick-out und Masseanschluss.
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Ein paar Spritzer gehören zum MIG/MAG-Schweißen dazu. Wenn aber Perlen über das ganze Blech verteilt kleben, die Gasdüse ständig zusetzt und der Lichtbogen knattert und stottert, stimmt etwas mit den Einstellungen oder der Ausrüstung nicht. Diese Seite richtet sich an Heimwerker und Einsteiger mit einem Schutzgas- oder Fülldrahtgerät. Sie erfahren, welche Ursachen hinter vielen Spritzern stecken, wie Sie sie der Reihe nach abstellen und welche Hilfsmittel sinnvoll sind.
Wie ein ruhiger Lichtbogen klingt
Beim Kurzlichtbogen, der bei Heimwerkergeräten am häufigsten genutzt wird, berührt der Draht viele Male pro Sekunde das Schmelzbad und löst sich wieder. Ist alles gut eingestellt, entsteht ein gleichmäßiges, feines Brutzeln, das oft mit dem Geräusch von Speck in der Pfanne verglichen wird. Ein lautes Knallen und Knattern bedeutet meist zu viel Draht für die eingestellte Spannung. Ein zischender, langer Lichtbogen mit großen Tropfen deutet auf zu viel Spannung im Verhältnis zum Draht hin.
Wie das Verfahren im Detail funktioniert, erklärt der Beitrag Wie MIG/MAG-Schweißen funktioniert.
Die Stellschrauben im Überblick
Ändern Sie immer nur einen Wert und schweißen Sie danach eine kurze Probenaht auf einem Reststück gleicher Dicke. So erkennen Sie die Wirkung jeder Änderung.
| Ursache | Typisches Zeichen | Abhilfe |
|---|---|---|
| Drahtgeschwindigkeit zu hoch für die Spannung | Lautes Knattern, Draht stößt ins Blech | Draht etwas zurück oder Spannung erhöhen |
| Spannung zu hoch für den Draht | Langer Lichtbogen, grobe Tropfen | Spannung senken oder Draht erhöhen |
| Falsche Polung | Sehr unruhiger Lichtbogen, starke Spritzer | Polung nach Drahtangabe umstecken |
| Reines CO2 als Schutzgas | Mehr Spritzer als bei Mischgas | Argon-CO2-Mischgas verwenden |
| Stick-out zu lang | Lichtbogen schwankt, Spritzer | Brenner näher führen |
| Schlechte Masse, verschmutztes Blech | Unregelmäßiger Lichtbogen | Blank schleifen, Masse nah ansetzen |
Spannung und Drahtgeschwindigkeit abstimmen
Spannung und Drahtvorschub hängen beim MIG/MAG-Schweißen eng zusammen. Die Spannung bestimmt im Wesentlichen die Lichtbogenlänge, die Drahtgeschwindigkeit den Strom und damit die Abschmelzleistung. Passen beide nicht zusammen, wird der Lichtbogen unruhig. Synergiegeräte nehmen Ihnen einen Teil der Arbeit ab: Sie wählen Werkstoff, Drahtdurchmesser, Gas und Blechdicke, und das Gerät schlägt eine passende Kombination vor, die Sie fein nachkorrigieren.
Bei Geräten mit manueller Einstellung beginnen Sie am besten mit den Werten der Tabelle im Gerätedeckel oder in der Anleitung. Wie Sie dabei vorgehen, zeigt der Beitrag MIG/MAG-Schweißgerät einstellen. Manche Geräte bieten zusätzlich eine Einstellung der Induktivität, auch Drossel genannt. Eine höhere Induktivität macht den Kurzlichtbogen meist weicher und spritzerärmer, eine niedrigere härter und konzentrierter.
Polung, Schutzgas und Draht
Massivdraht mit Schutzgas wird in der Regel mit dem Brenner am Pluspol geschweißt. Viele selbstschützende Fülldrähte ohne Gas verlangen dagegen den Brenner am Minuspol. Wer vom Fülldraht auf Massivdraht wechselt und das Umstecken vergisst, bekommt einen sehr unruhigen Lichtbogen mit vielen Spritzern. Maßgeblich ist die Angabe auf der Drahtspule.
Auch das Gas beeinflusst die Spritzerbildung deutlich. Reines CO2 ist preiswert und dringt tief ein, erzeugt aber typischerweise mehr Spritzer als ein Mischgas aus Argon und CO2. Für unlegierten Stahl ist Mischgas daher weit verbreitet. Mehr zu den Gasen finden Sie unter Schutzgase zum Schweißen. Fülldraht ohne Gas spritzt grundsätzlich etwas mehr und hinterlässt Schlacke, das ist verfahrensbedingt.
Stick-out, Brennerwinkel und Masse
Der Stick-out ist die freie Drahtlänge zwischen Kontaktdüse und Lichtbogen. Ist er zu lang, erwärmt sich der Draht stärker, der Strom sinkt, und der Lichtbogen wird unruhig. Als Richtwert für den Kurzlichtbogen wird oft etwa das Zehnfache des Drahtdurchmessers genannt, also rund 8 bis 10 mm bei 0,8 mm Draht. Halten Sie den Abstand während der Naht möglichst konstant.
Ein zu flacher Brennerwinkel kann ebenfalls Spritzer fördern. Ein leicht geneigter Brenner mit 10 bis 20 Grad aus der Senkrechten ist ein üblicher Ausgangswert. Die Masseklemme sollte auf blankem Metall nahe der Naht sitzen. Rost, Farbe und Zunder auf dem Werkstück stören den Stromfluss und den Lichtbogen, schleifen Sie den Nahtbereich deshalb vorher blank.
- 1Drahtelektrode: kommt von der Rolle
- 2Kontaktdüse: überträgt den Strom auf den Draht
- 3Gasdüse: bündelt das Schutzgas
- 4Schutzgas: schirmt das Schmelzbad ab
- 5Lichtbogen: zwischen Draht und Werkstück
- 6Schmelzbad: wird zur Naht
- 7Werkstück: mit der Masseklemme verbunden
Spritzer entfernen und vorbeugen
Trennspray oder Trennpaste für Schweißarbeiten verhindert, dass Spritzer am Werkstück und in der Gasdüse festbrennen. Sprühen Sie es sparsam auf die Bleche neben der Naht und in die Gasdüse, nicht auf die Fügeflächen selbst. Achten Sie auf eine Ausführung ohne Silikon, wenn die Teile später lackiert werden sollen. Festsitzende Spritzer lassen sich mit Meißel, Drahtbürste oder Fächerschleifscheibe entfernen.
Reinigen Sie die Gasdüse regelmäßig, denn ein Spritzerring an der Düse stört den Gasstrom und führt zu Poren. Wie Poren entstehen, lesen Sie unter Poren in der Schweißnaht.
Hinweis:Schweißspritzer sind glühend heiß und können mehrere Meter weit fliegen. Entfernen Sie brennbare Stoffe aus dem Umfeld, tragen Sie schwer entflammbare Kleidung ohne offene Taschen, Handschuhe und einen Schweißhelm. Kontrollieren Sie den Arbeitsplatz nach dem Schweißen auf Glutnester.
Häufige Fragen
Warum spritzt mein Gerät nach dem Drahtwechsel plötzlich stark? Häufig wurde beim Wechsel zwischen Fülldraht und Massivdraht die Polung nicht umgesteckt, oder Kontaktdüse und Rolle passen nicht zum neuen Durchmesser.
Spritzt Fülldraht immer mehr als Massivdraht mit Gas? Selbstschützender Fülldraht erzeugt verfahrensbedingt meist mehr Spritzer und Schlacke. Mit richtiger Polung und Einstellung lässt sich die Menge aber deutlich verringern.
Hilft ein Impulsgerät gegen Spritzer? Impulsverfahren lösen die Tropfen kontrolliert ab und gelten als spritzerarm, besonders bei Edelstahl und Aluminium. Für einfache Stahlarbeiten reicht ein gut eingestellter Kurzlichtbogen meist aus.
Darf ich Trennspray auf die Kontaktdüse sprühen? In die Gasdüse ja, sparsam. Ein Übermaß kann Poren verursachen, weil sich die Rückstände im Lichtbogen zersetzen.
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