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Ratgeber

Schutzgase zum Schweißen: welches Gas zu welchem Verfahren passt

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Wer zum ersten Mal eine Gasflasche für sein Schutzgas-Schweißgerät besorgt, steht vor vielen Fragen: Argon oder Mischgas, Mietflasche oder Eigentumsflasche, 10 oder 20 Liter? Diese Seite erklärt, welche Aufgabe das Schutzgas hat, welche Gase für welches Verfahren und welchen Werkstoff üblich sind, was die Kurzbezeichnungen nach EN ISO 14175 bedeuten und worauf Sie bei Flasche, Druckminderer und Lagerung achten sollten. Konkrete Mischungen und Durchflussmengen sind Richtwerte, maßgeblich sind die Angaben von Draht- und Gerätehersteller.

Wozu Schutzgas dient

Flüssiges Metall reagiert stark mit Sauerstoff und Stickstoff aus der Luft. Ohne Schutz entstehen Poren, Oxide und spröde Nähte. Das Schutzgas verdrängt die Luft rund um Lichtbogen und Schmelzbad. Je nach Gas beeinflusst es außerdem den Lichtbogen, den Einbrand, die Nahtform und die Spritzerbildung.

Man unterscheidet inerte Gase, die nicht mit dem Schmelzbad reagieren, wie Argon und Helium, und aktive Gase, die an der Reaktion teilnehmen, wie CO2 und Sauerstoff. Daher kommen die Namen MIG (Metall-Inertgas) und MAG (Metall-Aktivgas). Wie sich die Verfahren unterscheiden, lesen Sie im Beitrag MIG oder MAG schweißen.

Welches Gas für welches Verfahren

Die Kürzel stammen aus EN ISO 14175, der Norm für Schweißschutzgase. Gashändler verwenden oft eigene Markennamen, auf dem Flaschenetikett steht aber meist auch die Normbezeichnung. Achten Sie beim Kauf auf diese Angabe, dann wissen Sie, was in der Flasche ist.

Argon, Mischgas und CO2 im Detail

Argon ist das Standardgas für WIG-Schweißen an allen gängigen Werkstoffen und für MIG-Schweißen an Aluminium. Es liefert einen ruhigen Lichtbogen und saubere Nähte. Für MAG-Schweißen an Stahl ist reines Argon dagegen ungeeignet, weil der Lichtbogen unruhig wird und die Naht schlecht benetzt.

Mischgas aus Argon und CO2 ist das verbreitetste Gas für MAG-Schweißen an Baustahl. Es verbindet einen stabilen Lichtbogen mit gutem Einbrand und vergleichsweise wenig Spritzern. Viele Synergieprogramme von Schweißgeräten sind auf solche Mischgase abgestimmt.

Reines CO2 ist günstig und erzeugt tiefen Einbrand, führt aber zu einem härteren Lichtbogen und mehr Spritzern. Für Einsteiger ist Mischgas meist angenehmer. Weitere Ursachen für Spritzer finden Sie unter Zu viele Schweißspritzer.

Für Edelstahl mit MAG werden Gase mit hohem Argonanteil und nur wenig aktivem Gas verwendet, damit die Korrosionsbeständigkeit erhalten bleibt. Beim WIG-Schweißen von Edelstahl wird häufig zusätzlich die Nahtrückseite mit Formiergas oder Argon geschützt.

Flaschengröße, Miete oder Eigentum

Schweißgase werden in Stahlflaschen mit unterschiedlichem Volumen angeboten. Für Heimwerker sind kleinere Flaschen mit etwa 10 oder 20 Litern Volumen verbreitet, in Werkstätten auch 50-Liter-Flaschen. Kleine Flaschen lassen sich leichter transportieren und am Gerätewagen befestigen, sind aber schneller leer. Große Flaschen halten länger, sind aber schwer und unhandlich.

Beim Bezug gibt es zwei Modelle. Bei der Mietflasche gehört die Flasche dem Gashändler, Sie bezahlen Miete und tauschen beim Händler. Bei der Eigentumsflasche kaufen Sie die Flasche und lassen sie bei einem Händler füllen oder tauschen. Welches Modell günstiger ist, hängt von Ihrer Nutzung und dem Händler vor Ort ab. Fragen Sie vor dem Kauf einer Eigentumsflasche, ob der Händler in Ihrer Nähe sie annimmt.

Eine kleine Gasmenge für Zwischendurch bieten auch Einwegflaschen. Sie passen aber nicht an jeden Druckminderer und sind für regelmäßiges Schweißen meist unpraktisch.

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Druckminderer und Durchfluss

Zwischen Flasche und Gerät sitzt ein Druckminderer, der den hohen Flaschendruck auf einen nutzbaren Arbeitsdruck reduziert. Für Schweißgase sind Modelle mit Durchflussanzeige üblich, entweder als Manometer mit Literskala oder als Schwebekörper-Flowmeter. Achten Sie darauf, dass der Druckminderer für das jeweilige Gas zugelassen ist, denn CO2 und Argon haben unterschiedliche Anschlüsse und Eigenschaften.

Als grobe Faustregel für MAG mit Massivdraht wird häufig der Drahtdurchmesser in Millimetern mal zehn als Liter pro Minute genannt. Beim WIG-Schweißen liegen übliche Richtwerte oft bei 5 bis 10 l/min. Zu viel Gas schadet ebenfalls, weil es verwirbelt und Luft ansaugt. Mehr dazu unter Poren in der Schweißnaht.

Sicher lagern und transportieren

Prüfen Sie die Anschlüsse nach jedem Flaschenwechsel mit Lecksuchspray. Ein Zischen oder Blasen deutet auf eine Undichtigkeit hin, die Sie vor dem Schweißen beheben müssen.

  • Flaschen immer gegen Umfallen sichern, etwa mit Kette am Gerätewagen oder an der Wand.
  • Schutzkappe aufschrauben, wenn kein Druckminderer montiert ist.
  • Flaschen nicht in der Nähe von Wärmequellen oder in direkter Sonne lagern.
  • Nur in gut belüfteten Räumen lagern, nicht in Kellern oder Gruben.
  • Im Auto liegend oder stehend gesichert transportieren, für Lüftung sorgen und die Flasche nach der Fahrt sofort ausladen.

Hinweis:Argon und CO2 sind schwerer als Luft und können sich in tiefer liegenden, schlecht belüfteten Bereichen sammeln und dort Sauerstoff verdrängen. Erstickungsgefahr: Arbeiten und lagern Sie nur in gut belüfteten Räumen und schließen Sie das Flaschenventil nach der Arbeit. Beachten Sie die Sicherheitshinweise des Gaslieferanten.

Häufige Fragen

Kann ich mit Argon MAG-Schweißen an Stahl? Davon ist abzuraten. Reines Argon liefert an Stahl einen unruhigen Lichtbogen und eine schlechte Nahtform. Für Stahl ist ein Mischgas mit CO2 üblich.

Brauche ich für WIG und MIG/MAG verschiedene Flaschen? Wenn Sie Stahl mit MAG und WIG schweißen, ja: Argon für WIG, Mischgas für MAG. Nur wenn Sie ausschließlich Aluminium mit MIG schweißen, reicht Argon für beides.

Gibt es Schweißgeräte ohne Gasflasche? Ja, Fülldrahtgeräte arbeiten mit selbstschützendem Draht ohne Gas. Einen Überblick gibt der Ratgeber zu Fülldraht-Schweißgeräten ohne Gas.

Wie lange reicht eine Gasflasche? Das hängt von Flaschengröße, Durchflussmenge und reiner Lichtbogenzeit ab. Notieren Sie Ihren Durchfluss und Ihre Schweißzeit, dann können Sie den Verbrauch mit Hilfe der Füllmenge auf dem Flaschenetikett grob abschätzen.

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