Ratgeber
Welche Materialien man schweißen kann und welche nicht
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Kurz gesagt
Gut schweißbar sind vor allem unlegierter Baustahl und die meisten Edelstähle, mit allen gängigen Lichtbogenverfahren. Aluminium lässt sich mit WIG (AC) oder MIG gut schweißen, verlangt aber Erfahrung. Gusseisen, verzinkte Bleche, Kupfer und gehärtete Stähle sind schwieriger und brauchen besondere Maßnahmen. Verschiedene Metalle wie Stahl und Aluminium lassen sich mit Lichtbogenverfahren nicht direkt miteinander verschweißen.
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Bevor Sie ein Schweißgerät kaufen oder ein Projekt angehen, lohnt sich die Frage, aus welchem Material Ihre Teile bestehen. Nicht jedes Metall lässt sich mit jedem Verfahren verbinden, und manche Werkstoffe stellen besondere Anforderungen an Vorbereitung, Gas und Elektrode. Diese Seite gibt einen Überblick über die gängigen Werkstoffe in Haus, Garten und Werkstatt, ordnet ihnen passende Verfahren zu und nennt die wichtigsten Besonderheiten. Sie zeigt auch, wo die Grenzen liegen und wann ein Fachbetrieb die bessere Wahl ist.
Werkstoffe und Verfahren auf einen Blick
Die Tabelle ist eine allgemeine Orientierung. Für tragende oder sicherheitsrelevante Bauteile gelten die Vorgaben des Herstellers und die einschlägigen Regeln, solche Arbeiten gehören in die Hände eines Fachbetriebs mit geprüften Schweißern. Welche Verfahren es gibt, erklärt der Beitrag Schweißverfahren nach ISO 4063.
| Werkstoff | Schweißbarkeit | Geeignete Verfahren | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Unlegierter Baustahl | Sehr gut | MAG, Fülldraht, E-Hand, WIG | Blank schleifen, Standardfall |
| Edelstahl (austenitisch) | Gut | WIG, MAG, E-Hand | Passender Zusatz, Anlauffarben entfernen |
| Aluminium | Gut mit Übung | WIG AC, MIG | Oxidschicht, hohe Wärmeleitung |
| Gusseisen | Schwierig | E-Hand mit Spezialelektrode | Rissgefahr, Wärmeführung |
| Verzinkter Stahl | Mit Einschränkungen | MAG, E-Hand nach Entzinken | Giftige Zinkdämpfe |
| Kupfer | Schwierig | WIG | Sehr hohe Wärmeleitung, oft Vorwärmen |
| Gehärteter oder hochfester Stahl | Eingeschränkt | Nach Herstellervorgabe | Festigkeitsverlust, Rissgefahr |
Stahl und Edelstahl
Unlegierter Baustahl ist der Werkstoff, mit dem die meisten Schweißer beginnen. Er lässt sich mit MAG, Fülldraht, E-Hand und WIG gut verbinden. Entscheidend ist eine saubere Oberfläche: Rost, Farbe, Öl und Zunder werden im Nahtbereich abgeschliffen. Bei dickeren Blechen kann eine Nahtvorbereitung mit Fase nötig sein, damit die Naht durchschweißt.
Edelstahl wird meist mit WIG geschweißt, für dickere Teile auch mit MAG oder Elektrode. Wichtig sind ein zum Grundwerkstoff passender Zusatz und eine möglichst geringe Wärmeeinbringung, damit Verzug und Anlauffarben begrenzt bleiben. Die Anlauffarben sollten nach dem Schweißen entfernt werden, etwa durch Beizen oder Bürsten, damit die Korrosionsbeständigkeit erhalten bleibt. Verwenden Sie für Edelstahl eigene Bürsten und Schleifmittel, die nicht mit Baustahl in Berührung kommen. Details finden Sie unter Edelstahl schweißen.
Aluminium
Aluminium bildet an der Luft sofort eine dünne, sehr hoch schmelzende Oxidschicht. Darunter schmilzt das Metall bei deutlich niedrigerer Temperatur. Außerdem leitet Aluminium Wärme sehr gut, sodass am Anfang viel Energie nötig ist und das Bauteil sich dann schnell aufheizt. Deshalb schweißt man Aluminium mit WIG im Wechselstrom, der die Oxidschicht aufbricht, oder mit MIG unter Argon, oft mit Impulsfunktion oder Spulenpistole.
Die Oxidschicht wird vor dem Schweißen mit einer Edelstahlbürste entfernt, die nur für Aluminium verwendet wird. Mehr dazu im Beitrag Aluminium schweißen.
Gusseisen, Kupfer und gehärtete Stähle
Grauguss enthält viel Kohlenstoff und ist spröde. Beim Schweißen neigt er zu Rissen in und neben der Naht. Häufig werden Nickel- oder Nickel-Eisen-Elektroden verwendet, mit kurzen Raupen und kontrollierter Wärmeführung, je nach Bauteil auch mit Vorwärmen. Das Ergebnis ist stark von Erfahrung und Bauteil abhängig. Bei wertvollen Teilen wie Motorblöcken oder Maschinenbetten ist ein Fachbetrieb ratsam. Hinweise zur Elektrodenwahl stehen unter Elektrodenarten.
Kupfer leitet Wärme noch besser als Aluminium. Größere Teile müssen oft vorgewärmt werden, und meist kommt WIG zum Einsatz. Gehärtete, vergütete oder hochfeste Stähle können durch die Schweißwärme ihre Eigenschaften verlieren oder spröde werden. Hier gelten die Vorgaben des Herstellers, zum Beispiel bei Fahrzeugteilen, Werkzeugen oder Federn.
Verzinkte Bleche: Vorsicht vor Zinkdämpfen
Zink verdampft bei Temperaturen, die beim Schweißen schnell erreicht werden. Die entstehenden Zinkoxid-Dämpfe können beim Einatmen das sogenannte Metalldampffieber auslösen, mit grippeähnlichen Beschwerden. Außerdem stört verdampfendes Zink den Lichtbogen und begünstigt Poren und Spritzer.
Schleifen Sie die Zinkschicht im Nahtbereich ab, arbeiten Sie mit einer wirksamen Absaugung und halten Sie den Kopf aus der Rauchfahne. Nach dem Schweißen sollte die Naht wieder vor Korrosion geschützt werden, zum Beispiel mit Zinkspray. Für Karosseriebleche wird teils auch MIG-Löten eingesetzt, das mit niedrigeren Temperaturen arbeitet und die Verzinkung weitgehend schont.
Hinweis:Schweißrauch, besonders von verzinkten, beschichteten oder legierten Werkstoffen, ist gesundheitsschädlich. Sorgen Sie für eine Absaugung möglichst nah an der Entstehungsstelle, tragen Sie bei Bedarf geeigneten Atemschutz und schweißen Sie niemals an Behältern, die brennbare Stoffe enthalten oder enthalten haben.
Was man nicht schweißen kann
Auch sehr dünne Folien oder Bleche unter etwa einem halben Millimeter sind mit Heimwerkergeräten kaum beherrschbar. Für dünnes Blech im Allgemeinen gibt der Beitrag Dünnblech schweißen Tipps.
- Stahl mit Aluminium oder Kupfer direkt per Lichtbogen: Die Metalle bilden spröde Verbindungen, hier helfen Löten, Kleben, Nieten oder spezielle Übergangsstücke.
- Kunststoffe mit Lichtbogengeräten: Kunststoffe werden mit Heißluft, Heizelement oder Ultraschall verschweißt, nicht mit Elektro-Schweißgeräten.
- Behälter mit brennbaren Rückständen, etwa Tanks oder Fässer: Es besteht Explosionsgefahr, solche Arbeiten gehören zu Fachleuten.
- Sicherheitsrelevante Fahrzeugteile wie Lenkung oder Bremsen: Reparaturschweißen ist hier in der Regel nicht zulässig.
Häufige Fragen
Kann ich Edelstahl mit Baustahl verschweißen? Ja, das ist möglich, wenn ein für Mischverbindungen geeigneter Zusatzwerkstoff verwendet wird. Die passenden Elektroden oder Drähte nennen die Hersteller in ihren Tabellen.
Kann ich mit einem Elektrodengerät Grauguss schweißen? Mit speziellen Gusselektroden und viel Sorgfalt ist das bei vielen Reparaturen möglich. Ein Erfolg ist aber nicht sicher, weil Grauguss stark zur Rissbildung neigt.
Welches Gerät kann die meisten Werkstoffe? Ein WIG-Gerät mit AC/DC deckt Stahl, Edelstahl, Aluminium und Kupfer ab. Für schnelle Arbeiten an Stahl ist ein MIG/MAG-Gerät praktischer.
Darf ich verzinkte Bleche in der Garage schweißen? Nur mit wirksamer Absaugung oder sehr guter Lüftung und nach Entfernen der Zinkschicht im Nahtbereich. Atmen Sie die Dämpfe nicht ein.
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